Sitzen - sechs!

Zensur


Angriff der politischen Kaste auf die Pressefreiheit: Nach der Spiegel Affaere von 1962 erleben wir jetzt 2015/2016 eine Neuauflage.

Kann Deine Show diesem Druck standhalten?

Fragen an J.L., den Initiator des deutschen demokratischen Rundfunks, kurz DDR. Gestellt von HPG, dem Produzenten des alternativen Audiokanals intertape.de 

HPG: Einschuechterung investigativer Recherche, Drohung mit Knast und Lizenzentzug - wie lange koennen sich Hoerer von Deiner Show noch darauf verlassen, unzensierten Content zu erhalten?  

J.L.: Zensur kannten wir bisher von Militaerdiktaturen. In Deutschland wird das jetzt juristisch rhetorisch so verkauft: Zensierte Inhalte werden einfach als Geheimsache deklariert, deren Weitergabe als sogenannter "Landesverrat" verfolgt wird.

HPG: Inhalte zensieren indem man diese als Geheimsache deklariert. Wie sieht das konkret aus? 

J.L.: Nehmen wir das aktuelle Beispiel von netzpolitik.org: Der Staat spaeht kollektiv seine Buerger aus und erklaert das wiederum zur Geheimsache. Also nicht die persoenlichen Daten von uns als Buerger gelten als geheim, sondern die Tatsache, dass unsere Geheimnisse ausspioniert werden, gelten als geheim.

Mit solcher juristisch-rhetorischen Spitzfindigkeit kann man alles zensieren:
Geheimverhandlungen ueber TTIP und CETA, geheime Verhandlungen, in denen Kapitalvertreter ganze Staaten erpressen. Und wer die betroffenen Buerger darueber informiert, der geht in den Knast.

HPG: Zensur - das Image hatte frueher eher die DDR. Warum jetzt Zensur in der BRD und in der EU?

J.L.: Tatsache ist: Die DDR war der Garant fuer die Pressefreiheit im nichtsozialistischen Ausland.

HPG: Wie ist das zu verstehen?

J.L.: Pressefreitheit diente dem Westen als Bollwerk gegen die Systemalternative. Nehmen wir zum Beispiel Guenter Wallraff:
Als der Westdeutsche Rundfunk sich weigerte, ihn seine Erkenntnisse vorzutragen zu lassen, da wandte er sich einfach an das Fernsehen der DDR. Dort lud man ihn gerne ein, sodass er seine Recherchen publizieren konnte.

Es herrschte sozusagen mediale Aussenpluralitaet.
Als Hoerer hattest Du die Gelegenheit, beide Seiten zu hoeren und Dir Deine eigene Meinung zu bilden.

HPG: Letzlich gab es aber auch im Westen eine kritische Berichterstattung.

J.L.: Eben drum. Der Westen konnte sich es gar nicht leisten, diese Berichterstatttung dem Klassenfeind zu ueberlassen. Der Westen musste dem zuvorkommen. Darum Binnenpluralitaet in den Westmedien.

So konnten die Westmedien real existierende Missstaende als unglueckliche Ausnahmen praesentieren und nahmen der DDR die Gelegenheit, das als systemimmanent darzustellen. 

HPG: Dieser Druck ist seit 1990 entfallen. 

J.L.: Deshalb die Initiative 'Deutscher Demokratischer Rundfunk', kurz: DDR. 

HPG: Welche Rolle spielen die Geheimdienste in dieser Angelegenheit?

J.L.: Nehmen wir den Dagger Complex in Darmstadt. Noch nie hatten es US Geheimdienste so leicht, Insider Informationen zu erlangen. Und das aus dem gesamten ausserparlamentarischen Spektrum. Einfach Deine Show abhoeren auf UKW.

Wir begruessen ausdruecklich unsere Stammhoerer bei den Geheimdiensten.
Wenn ihr so die Terror Aufklaerungsquote auch nicht erhoehen koennt, dann doch zumindest die Einschaltquote von Deiner Show.

HPG: Soweit zu den West-Diensten. Wie sieht es aus mit den Ost-Geheimdiensten?

J.L.: Deine Show kann leider nicht mehr von Informationen profitieren von der Stasi. Frueher zu DDR Zeiten war das einfach: Stasi deckt Schweinereien im Westen auf. Die Ergebnisse dieser Recherchen dann an die Westmedien weitergeleitet, die eine heisse Story gut gebrauchen konnten.

Vorteil auf beiden Seiten. Maximale Reichweite auch fuer die DDR: Deren Buerger konsumierten sowieso alle Westradio und West-TV. Und im Westen gesendet war es frei vom Verdacht, nur Hetze gegen den Westen zu sein, damit also glaubwuerdiger als eine eigene Publikation im Ostblock.

Nach der Aufloesung der Stasi wird es schwierig. Aber wir haben uns bei Facebook der Gruppe 'Deutsche Freunde Putins' angeschlossen. 

HPG: Was bedeutet Zensur fuer eine Satire-Format wie Deine Show und deren Hoerer?

J.L.: Fuer die Hoerer heisst das vor allem: Zum Lachen in den Keller gehen. Wer will sich schon als Hoerer dieses subversiven Formats outen, am Ende noch als Staatsfeind dastehen, als Unterstuetzer staatsfeidlicher Propaganda? 

HPG: Im Ernst?

J.L.: Tatsaechlich rechnen wir hingegen mit einer 'Jetzt-Erst-Recht' Reaktion im Sendegebiet und im Web. 

Der Hoerer erwartet von Deiner Show eine Gegenoffensive.

Statt Zensur der Presse lieber Zensuren fuer unsere Politiker und deren Lobbyisten aus den Wirtschaftsverbaenden.

HPG: Wie gross ist der Druck innerhalb des Programmveranstalters Radio Darmstadt - es gibt ja immer nur eine zeitlich begrenzte Sendelizenz - hat man so letztlich nicht doch die Schere im Kopf?

J.L.: Nein - wir haben eigens dafuer die Studiotechnik umgestellt auf Digitaltechnik, da gibt es keine Schere mehr fuer den Schnitt.

Im Ernst: Die Entscheider in Politik und Kapital sind froh, dass wir unsere Energie derzeit konzentrieren auf Deine Show bei Radio Darmstadt. Also auf eine relativ begrenzte Reichweite. Sollte uns dieser Vertriebsweg genommen werden, so koennen sich unsere bisherigen Hoerer und viele neue Hoerer darauf verlassen, dass wir Loesungen finden werden.

Darmstadt ist schliesslich als Satellitenstadt bekannt.

HPG: Welche Moeglichkeiten eine Zensur zu ueberwinden erhaelt der Hoerer mit einem Format wie Deiner Show?

J.L.: Zum Einen natuerlich durch regelmaessigen Konsum monatlich am 4. Sonntag oder montags darauf.

Zum Anderen durch aktives Mitwirken. Als Journalist - wenn auch nur nebenbei - erfaehrst Du Fakten, die Du sonst nie erfahren wuerdest. Auch ohne Zensur darf nur juristisch belastbares Material veroeffentlicht werden. Damit faellt vieles unter den Tisch, was Du aber hinter den Kulissen mitbekommst.

HPG: Wir danken fuer das Interview und wuenschen viel Erfolg auch bei weiteren Projekten des Deutschen Demokratischen Rundfunks DDR.

 

 

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Zuletzt aktualisiert: 25.01.2016