Statut der Musikredaktion


Radio Darmstadt (RadaR) nimmt als nicht-kommerzielles Lokalradio (NKL) eine ganz besondere Stellung in der Medienlandschaft ein. Bei der Lizenzvergabe wurde der besondere Auftrag an das NKL durch die Landesanstalt für privaten Rundfunk (LPR) wie folgt formuliert:

"Durch die Beteiligung verschiedener Gruppen an der Programmgestaltung werden vielfältige Inhalte vermittelt. Insbesondere sollen Gruppen zu Wort kommen und Themen behandelt werden, die gewöhnlich im Rundfunk wenig Beachtung finden. Mit besonderen lokalkulturellen Sendungen soll ein Beitrag zur Förderung lokaler Kultur geleistet werden." (Kassel, 21. 10. 1996)

Dieses Zitat fasst den Sinn und Zweck des NKL prägnant zusammen. Auf dieser Grundlage hat RadaR die Sendelizenz erhalten. Die gewollte Unabhängigkeit von Werbepartnern und Sponsoren befähigt "und verpflichtet" RadaR, diesen Auftrag umzusetzen. Im folgenden Grundkonzept der Musikredaktion wird dargestellt, welche Konsequenzen sich aus der besonderen Stellung von RadaR für die Arbeit und Inhalte der Musikredaktion ergeben.


Die Musik im freien, nicht kommerziellen Lokalradio

Die Musikauswahl in den kommerziellen Privat- und den öffentlich-rechtlichen Rundfunksendern betrachtet, kann Folgendes festgestellt werden: Diejenigen Sender, die für ein junges, kaufkräftiges Publikum Programm machen, zeichnen sich durch eine stilistisch stark einseitige Musikauswahl aus. Auch die Anzahl der gespielten Titel, meistens Top-Hits, ist sehr begrenzt, wird aber dafür um so häufiger wiederholt.


Die Musikredaktion geht davon aus, dass sich alles, was den ergonomischen Gewohnheiten des Ohres entgegen kommt vermarkten bzw. "hypen" lässt. Daraus resultiert, dass prinzipiell jede Stilrichtung in den Charts vertreten sein könnte. Diese These lässt darauf schließen, dass die Auswahl bei kommerziellen Radiosendern in den meisten Fällen finanziellen Interessen und/oder konventionellen Hörgewohnheiten untergeordnet ist. Experimente finden hier selten Raum und werden häufig mit Entzug des Sendeplatzes bestraft.
In der Programmanalyse nicht kommerzieller Lokalradios der LPR Hessen von Hans-Bernd Brosius und Stefan Weiler vom Mai 2000 heißt es:

Die NKLs "...sollen zu einer publizistischen Ergänzung werden und gesellschaftlichen Gruppen die Möglichkeit zur Beteiligung am Programm geben. Diese Beteiligung soll dazu beitragen, Inhalte zu vermitteln, die in den klassischen Medien nicht thematisiert werden. Die NKLs sollen darüber hinaus auch experimentelle Sende- und Darstellungsformen verwenden, die im Zeitalter der Format Radios immer mehr in den Hintergrund getreten sind."

Zum einen garantiert die Musikredaktion eine Förderung der Musikstile, die im Radio ansonsten zu kurz kommen, zum anderen will sich die Musikredaktion auch mit populärer Musik beschäftigen. Dabei betrachtet die Musikredaktion jede Musikrichtung als Ausdruck von Kultur, gleichgültig ob es die "Kultur der Straße" oder gesellschaftlich ausgegrenzte Kultur, aber im Kontext eines bestimmten Rahmenprogramms auch etablierte Kultur ist.
Die Musikredaktion möchte das RadaR-Programm musikalisch ausbauen und bereichern.


Musik ist Kultur, Musik ist Unterhaltung

Als Elemente einer Unterhaltungssendung sehen wir:
Gewinnspiele mit den HörerInnen
Talks
Personality-Shows
Musik als Untermalung
Jokes und flotte Sprüche
witzige Hörspielchen
u. s. w.


Dominieren diese Elemente eine Sendung, so handelt es sich um eine Unterhaltungssendung. Dadurch, dass die Musikredaktion Musik als Kultur betrachtet, ist eine Abgrenzung zur Kulturredaktion eigentlich hinfällig. Sie ergibt sich daraus, dass die Musikredaktion sich auf Musik konzentriert, sie behandelt dieses Gebiet umfassend.
In der Praxis hat sich gezeigt, dass (Musik-)Subkultur bei RadaR im Wesentlichen in der Musikredaktion stattfindet.

Grundsätzliches zu den Zielen und zum Programm

Das Ziel der Musikredaktion ist eine größtmögliche Musikvielfalt zu garantieren.
Die ModeratorInnen sollten im Idealfall SpezialistInnen in ihren Musikbereichen sein. Sie berichten über Hintergründe und Zusammenhänge, von ihren Kenntnissen können die HörerInnen profitieren.
Die Beschäftigung mit der Musik befähigt die ModeratorInnen der M-Redaktion, den HörerInnen von RadaR in allen Musiksparten eine echte Alternative zu den etablierten Sendern zu bieten.
Ein weiterer zentraler Punkt ist die Förderung der lokalen Musikszene. Die Sendungen der Musikredaktion bieten lokalen Bands und Projekten ein Forum. Veranstaltungen und Konzerte werden bekanntgegeben und über sie berichtet. Ein Austausch mit den HörerInnen findet auch durch GastmoderatorInnen und Gast-DJs statt. Die genaue Art der Integration der lokalen Szene bleibt den RedakteurInnen überlassen.
Diese Punkte im Zusammenhang mit der Vielfalt und der Experimentierfreudigkeit sind die wichtigsten Merkmale der Musikredaktion.


Erwartungen der Redaktion an die einzelnen MitarbeiterInnen und deren Sendungen

Um die erörterten Ziele der Musikredaktion umzusetzen, erwartet die Redaktion von ihren RedakteurInnen insbesondere Folgendes:

- eine intensive Beschäftigung mit der präsentierten Musik
- Umsetzung der NKL-Ideen
- ein ausgearbeitetes, schriftliches Sendekonzept
- Fähigkeit zur Teamarbeit
- Kritikfähigkeit
- Engagement in der Redaktion und bei Radio Darmstadt, Mitarbeit bei redaktionsübergreifenden Projekten
- Förderung der lokalen Musikszene
- ein Bewusstsein dafür, im Blick der Öffentlichkeit zu sein. Im Vordergrund steht hierbei die Journalistische Sorgfaltspflicht und der Pressekodex.

Von den Sendungen wird Folgendes erwartet (auch im Open House): Die Musik steht unangefochten im Mittelpunkt der Sendung. Sie ist Gegenstand der Sendung, nicht Begleiterscheinung. Musik dient nicht der Profilierung des/der ModeratorIn. Die als Elemente der Unterhaltung genannten Inhalte dürfen die Sendung nicht dominieren. Die Sendung hat ein eigenes Profil (Konzept). Sie unterscheidet sich von vorhandenen Sendungen im öffentlich rechtlichen oder privaten Rundfunk, sei es durch die Musikauswahl oder die Art, sich mit ihr zu beschäftigen.


Musikredaktion


E-Mail: musik(at)radiodarmstadt.de

Tel.: 06151- 8700101 Büro (Öffnungszeiten: Mo-Fr 10-11.30 und 16-19 Uhr)

Fax: 06151- 8700102

Tel.: 06151- 8700120 Redaktionsraum


Redaktionssitzung: 1. Donnerstag im Monat im Sendehaus ab 19 Uhr.


Darmstadt, 15. Mai 2011

 

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Zuletzt aktualisiert: 26.06.2011