Freitag, 3. August

Flagge zeigen gegen NPD in Darmstadt

Unsensibel: Einsatzgruppe 18 auf der Kundgebung der NPD.


Eine vom Verwaltungsgericht Kassel letztinstanzlich genehmigte NPD-Kundgebung rüttelt die Darmstädter BürgerInnen zu einer Demonstration auf. Peinlich: Die PolizeibeamtInnen des BFE HE trugen deutlich sichtbar den Neonazicode 18 auf dem Rücken (Bild).

 

Der Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Polizei Darmstadt, Karlheinz Treusch, hat die Frage nach dem unsensiblen optischen Auftreten der Polizei an diesem Tag scheinbar häufig gestellt bekommen. "Wenn man die 18 hat, hat man die 18. Da kann man die 18 nicht ausklammern."

Auf Nachfrage, ob denn sämtliche Einheiten anwesend waren, antwortete Treusch: "Es waren die Einheiten da, die eingesetzt werden konnten, und wenn es zufälligerweise die 18er Einheit trifft, dann trifft's eben die 18er Einheit". Eine Meinung, die an diesem Tag nicht alle PolizeibeamtInnen teilen.

Die 18 ist bei den Neonazis ein bekannter Code. Entschlüsselt ergibt die 18 (AH) die Intitialen von Adolf Hitler. Der Polizei ist dieser Dresscode bekannt.

Keine Chance für braune Botschaft

Auch die DemostrantInnen waren aufgebracht wegen des Fauxpas der BeamtInnen. Anschließend richtete sich die Aufmerksamkeit aber auf das spärliche Aufgebot der NPD. Gerade einmal vier Parteimitglieder stellten sich vor die GegendemonstrantInnen und musterten die Menge zunächst minutenlang durch getönte Brillen. "Haut ab", "Nazis raus" und "Rational statt National"-Rufe waren in der Menge zu hören.

Die technische Anlage der NPD, bestehend aus vier Megafonen und einem Mikrofon, wurde zunächst mehrfach fehlerhaft installiert, was zu lautem Gelächter  unter den ZuschauerInnen führte. Als die Panne behoben war, versuchten die Redner ihre Botschaft zu Gehör zu bringen. Doch das Publikum verhinderte, dass sie an die Öffentlichkeit geriet. Trillerpfeifen, Vuvuzelas, Sprechchöre, alles wurde aufgefahren, um die NPD-Vertreter an der Verbreitung ihrer Meinung zu hindern.

Flash ist Pflicht!

Aufgebrachter OB Jochen Partsch

Mitten unter den DemonstrantInnen befand sich auch Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne), der zuvor noch in einer emotionalen Rede an die 180 Opfer rechter Gewalt seit 1990 erinnerte. Auch VertreterInnen anderer Parteien und Institutionen riefen zur Gegenwehr auf, unter ihnen Brigitte Zypries (SPD), Daniela Wagner (Grüne), Ruth Wagner (FDP) und Ibrahim Akbulut (Ausländerbeirat).

Zur Gegendemonstration waren trotz des ungünstig angesetzten Zeitpunkts (Freitags, 10 Uhr morgens) laut Polizeiangaben mehr als 450, anderen Schätzungen zufolge allerdings mehr als 600 BürgerInnen erschienen. Mehr erfahren Sie im Podcast der Sendung Lokale Themen mit Aurel Jahn.

Lokale Themen vom 03.08.2012 mit Aurel Jahn
Flash ist Pflicht!

Video: chillbaer, Foto: Barbara Nickisch




Zuletzt aktualisiert: 16.05.2013